DEAD RECKONING ERKLÄRT – PRÄZISE ORTUNG OHNE GPS: DIE WICHTIGSTEN ERKENNTNISSE
-

Städte verändern sich in rasantem Tempo. Bis 2050 werden schätzungsweise 68 % der Weltbevölkerung in urbanen Gebieten leben. Was bedeutet das für die Telematik? Da der verfügbare Raum an der Oberfläche begrenzt ist, verlagert sich die städtische Infrastruktur zunehmend in die Tiefe – mit Tunneln, Tiefgaragen und komplexen unterirdischen Verkehrssystemen. Genau dort jedoch geht das GPS-Signal häufig verloren.
Teltonika passt sich dieser Entwicklung an. Mit der Dead-Reckoning-Funktion begegnet das Unternehmen den Herausforderungen moderner Städte und stellt eine zuverlässige Positionsbestimmung auch dort sicher, wo herkömmliche GPS-Technologie an ihre Grenzen stößt.
Was ist Dead Reckoning?
Dead Reckoning ist eine fortschrittliche Navigationstechnologie zur präzisen Schätzung der aktuellen Fahrzeugposition und Bewegungsrichtung auf Basis der letzten bekannten Position sowie der Geschwindigkeit. Durch den Einsatz zusätzlicher Sensoren wie Beschleunigungs- und Drehratensensoren werden Positionsdaten korrigiert und kontinuierlich aktualisiert.
Diese Sensoren erfassen Geschwindigkeit, Kurvenverhalten und Fahrzeugausrichtung, sodass selbst bei einem vollständigen Ausfall des Satellitensignals die Route zuverlässig weiterberechnet werden kann. Kurz gesagt: Dead Reckoning sorgt für unterbrechungsfreies Tracking – auch ohne GPS.
Der Mehrwert von Dead Reckoning für die Telematik
Die Grundlage moderner Telematik ist eine präzise Standortverfolgung. Unter optimalen Bedingungen liefert GPS äußerst genaue Daten. In urbanen Umgebungen entstehen jedoch zunehmend sogenannte „blinde Flecken“. Tunnel, mehrstöckige Parkhäuser und enge Straßen mit hohen Gebäuden blockieren oder reflektieren Satellitensignale und führen zu Positionsverlusten.
Diese Datenlücken verursachen betriebliche Ineffizienzen, Zeitverluste, falsche Auswertungen und finanzielle Einbußen – sowie ein sinkendes Vertrauen seitens der Unternehmen, die auf exakte Telematikdaten angewiesen sind.
Dead Reckoning schließt diese Lücken zuverlässig. Selbst bei GPS-Ausfall bleibt die Distanzmessung exakt, wodurch virtuelle Kilometerzähler korrekt arbeiten. Das Ergebnis:
präzise Fahrtdaten
zuverlässige Kraftstoffberichte
transparente Streckendokumentation
gestärktes Vertrauen bei Fahrern und Kunden
Ohne Dead Reckoning verbindet herkömmliches GPS lediglich Anfangs- und Endpunkte einer Strecke und ignoriert komplette Abschnitte – insbesondere in Tunneln oder unterirdischen Bereichen. Dies führt zu ungenauen Kilometerständen und fehlerhaften Berichten, die direkten Einfluss auf Geschäftsprozesse haben können.
Mehr Sicherheit und neue Einsatzmöglichkeiten
Neben der verbesserten Genauigkeit bietet Dead Reckoning auch ein deutlich höheres Sicherheitsniveau. Selbst wenn GPS-Signale absichtlich gestört oder blockiert werden, zeichnet das System weiterhin Bewegungen auf. Dadurch wird die Wiederauffindung gestohlener Fahrzeuge erleichtert und zusätzliche finanzielle Schäden werden verhindert.
Darüber hinaus eröffnet diese Technologie neue Möglichkeiten für Carsharing- und Flottenmanagement-Lösungen in mehrstöckigen oder unterirdischen Parkhäusern. Da Parkplätze im öffentlichen Raum zunehmend knapp werden, gewinnen solche Standorte an Bedeutung. Fahrzeuge, die bisher unterirdisch praktisch „unsichtbar“ waren, bleiben mit Dead Reckoning vollständig verfolgbar.
Telematik-Dienstleister können somit eine nahtlose Konnektivität und uneingeschränkte Zugänglichkeit bieten – jederzeit und überall.
Q&A – Fragen & Antworten
Am Ende jedes unserer Webinare veranstalten wir eine Live-Q&A-Session. Nachfolgend finden Sie ausgewählte Fragen der Teilnehmenden sowie die Antworten unserer Experten.
Wie funktioniert Dead Reckoning?
Wenn das GPS-Signal verloren geht, berechnet Dead Reckoning die Fahrzeugposition mithilfe von:
Beschleunigungssensor (Accelerometer) – erkennt, wie schnell das Fahrzeug beschleunigt oder abbremst.
Gyroskop – überwacht die Ausrichtung und Bewegung des Fahrzeugs, erkennt Kurven und Neigungen.Durch die Kombination dieser Sensordaten kann das System die Position auch ohne GPS-Signal präzise bestimmen und die Fahrt nahtlos weiterverfolgen.
Welche Geräte werden Dead Reckoning unterstützen?
Diese Funktion wurde exklusiv für die FT-Plattform entwickelt. Obwohl alle Geräte der FT-Plattform über integrierte Beschleunigungs- und Gyroskopsensoren verfügen, unterstützen nicht alle Modelle die Dead-Reckoning-Funktionalität.
Die ersten Geräte mit Dead Reckoning sind:
FTx927
FTx887
Beide Modelle sind mit den Konnektivitätsoptionen 4G LTE Cat 1 und 4G LTE Cat M1 erhältlich.
Werden FTx927 und FTx887 die einzigen Geräte mit Dead Reckoning sein?
Keineswegs. Diese beiden Modelle sind lediglich der Anfang. Weitere Geräte mit Dead-Reckoning-Funktion werden folgen.
Die einfachste Möglichkeit, ein kompatibles Gerät zu erkennen:
Enthält der Gerätename die Zahl 7 oder höher, unterstützt das Gerät Dead Reckoning.Was ist ein virtueller Kilometerzähler? Wie hängt er mit Dead Reckoning zusammen?
Der virtuelle Kilometerzähler stellt die vom GPS-Tracker berechnete Gesamtdistanz dar. Er ist „virtuell“, da er nicht auf Fahrzeuginformationen vom Armaturenbrett basiert, sondern kontinuierlich auf Bewegungsdaten, die vom GPS-Tracker erfasst werden.
Dead Reckoning erhöht die Genauigkeit dieses virtuellen Kilometerzählers, indem fehlende Streckenabschnitte ergänzt werden, wenn GPS nicht verfügbar ist (z. B. in Tunneln, Tiefgaragen oder dichten Stadtgebieten). So bleibt die Entfernungsmessung lückenlos, präzise und zuverlässig – selbst ohne GPS-Signal.
Wo kann Dead Reckoning eingesetzt werden?
Kurz gesagt: überall.
Ob ein Fahrzeug in einen Tunnel einfährt, enge Stadtstraßen durchquert oder in einer Tiefgarage parkt – Dead Reckoning stellt sicher, dass die Positionsverfolgung kontinuierlich fortgeführt wird.Während unseres Webinars gaben 50 % der Teilnehmenden an, dass ihre größten Herausforderungen in der Verfolgung von Fahrzeugen in Tunneln und unterirdischen Bereichen liegen. Dies bestätigt, dass eine zuverlässige Ortung in solchen Umgebungen nach wie vor ein zentrales Problem darstellt.
Zeigt Dead Reckoning die Fahrtroute im Tunnel an (auch in Kurven)?
Ja. Dead Reckoning liefert durchgehend Tracking-Daten innerhalb von Tunneln – auch in kurvenreichen Abschnitten. Das System berechnet und visualisiert sowohl die Route als auch die Fahrgeschwindigkeit, selbst wenn kein GPS-Signal verfügbar ist.
Erfordert Dead Reckoning eine spezielle Installation?
Um maximale Genauigkeit und optimale Leistung zu gewährleisten, ist eine korrekte Vorbereitung und Installation des Geräts erforderlich. Detaillierte Anweisungen zur richtigen Vorbereitung finden Sie auf unserer Wiki-Seite.
1. Korrekte Montage des Geräts
Das Gerät muss fest und stabil im Fahrzeug montiert werden und gleichzeitig eine gute Sicht zum Himmel haben. Beispiele für eine korrekte Montage sind ebenfalls in unserem Wiki verfügbar.2. Konfiguration des Dead-Reckoning-Features
Da Dead Reckoning ausschließlich für Geräte der FT-Plattform verfügbar ist, erfolgt die Konfiguration über den Abschnitt Dead Reckoning in der GNSS-Einstellungsgruppe innerhalb der Systemansicht des Telematics Configuration Tool (TCT).3. Ausrichtung (Alignment) des Geräts
Nach der Montage gemäß den Richtlinien muss das Gerät einen speziellen Ausrichtungsprozess durchlaufen, um seine Einbauorientierung korrekt zu bestimmen. Während dieses Prozesses müssen folgende Bedingungen erfüllt sein:Das Fahrzeug muss mindestens 3 Minuten stillstehen und freie Sicht zum Himmel haben.
Die Fahrgeschwindigkeit darf nicht unter 10 km/h liegen und 50 km/h nicht überschreiten.
Das Fahren durch Tunnel oder Bereiche mit schwachem GPS-Signal ist zu vermeiden, da andernfalls der Ausrichtungsprozess ab dem zweiten Schritt neu gestartet werden muss.
Nur bei Einhaltung dieser Vorgaben kann die Dead-Reckoning-Funktion ihre volle Präzision und Zuverlässigkeit entfalten.
*Quelle: https://www.teltonika-gps.com/newsroom/dead-reckoning-explained-%E2%80%93-accurate-tracking-without-gps%3A-key-takeaways
